Begegnung mit dem Orang-Utan Buschi

Vier Tage vor Weihnachten durfte ich eine ganz besondere Wunschfahrt begleiten. Unser Ziel war ein Zoo in Niedersachsen – ein Ort, der für unsere Fahrgastin Alice weit mehr war als nur ein Ausflugsziel. Affen waren ihre große Leidenschaft, und ganz besonders freute sie sich auf das Affenhaus.

Wir – Frank, Gino und ich – starteten in Münster und holten Alice gemeinsam mit ihrer Betreuerin etwa 60 Kilometer entfernt ab. Schon auf der Hinfahrt war die Vorfreude greifbar: ein leises Lächeln, neugierige Fragen und eine leise Aufregung, die in der Luft lag. Am Zoo empfing uns herzlich Jan, ebenfalls westfälischer Wunscherfüller und Zooführer, der uns direkt zum Affenhaus begleitete.

Dort erwartete uns Buschi. Ein beeindruckendes Orang-Utan-Männchen, 54 Jahre alt, mit einer Geschichte, die fast so außergewöhnlich ist wie er selbst. Nach seiner Geburt wurde Buschi von zwei Kinderkrankenschwestern im Kinderhospital per Hand aufgezogen, bevor er später wieder in den Zoo zurückkehrte. Heute ist er eine Persönlichkeit – aufmerksam, neugierig, sanft und besonders kreativ. Und genauso begegnete er Alice: ganz ruhig, ganz präsent. Buschi streckte seine große Hand an die Scheibe aus, direkt in Alices Richtung. Ein stiller, berührender Augenblick, der mehr sagte als tausend Worte.

Buschi ist nicht nur sensibel, sondern auch ausgesprochen geschickt. Er liebt Gemüse und Obst und bekommt dies jeden Tag von seiner Tierpflegerin, die ihn seit über 30 Jahren begleitet. Sein Futter muss er sich immer erarbeiten, denn seine Pflegerin ist überzeugt: Buschi versteht jedes Wort. Auf ihre Aufforderung hin schnipst er morgens nach dem Schlafen zuverlässig das Stroh aus dem Fell – offenbar mit Routine und einer Portion Stolz.

Ein weiteres Highlight unserer gemeinsamen Wunschfahrt: Buschi hatte am nächsten Tag Geburtstag. Wir durften seine Geschenke vorab begutachten, darunter einen großen Stern aus Feuerwehrschlauch, gespickt mit seinen Lieblingsnüssen. Außerdem wartete eine Haferflockentorte mit reichlich Obst und Nüssen auf ihn. Die Vorfreude lag nicht nur bei Buschi in der Luft.

Alice stellte viele Fragen – neugierig, interessiert, voller Begeisterung. Jan und die Tierpflegerin beantworteten sie geduldig, herzlich und mit vielen kleinen Anekdoten. Es wurde gelacht, gestaunt, manchmal auch still geschluckt.

Nach rund eineinhalb Stunden intensiver Begegnung und vieler rührender Momente hieß es schließlich Abschied nehmen. Als Geschenk des Zoos erhielt Alice ein Plüschäffchen, das Buschi verblüffend ähnlich sah. Und als wäre das noch nicht genug gewesen, suchte sie sich selbst noch einen großen Affen für ihr Zimmer aus.

Müde, aber sehr glücklich traten wir die Rückfahrt an. Gegen 16 Uhr kamen wir wieder in Münster an. Im Wünschewagen war es ruhig – diese schöne, zufriedene Ruhe, die entsteht, wenn ein Wunsch nicht nur erfüllt, sondern wirklich gelebt wurde.

Manche Wünsche brauchen keine großen Worte. Manchmal reichen ein Orang-Utan und eine ausgestreckte Hand.

Ein Bericht unserer westfälischen Wunscherfüllerin Sylvia.