Ein Tag unter Tage

Der ASB-Wünschewagen Sachsen erfüllte einen ganz besonderen Herzenswunsch. Gerhard, wollte noch einmal dorthin, wo ein wichtiger Teil seines Lebens begann: unter Tage. Eine Reise zurück in seine Bergbau-Vergangenheit.

Viele Jahre hatte Gerhard im Bergbau gearbeitet. Als Kind erlebte er zudem das schwerste Grubenunglück der DDR im Jahr 1960 im Steinkohlenwerk Karl Marx in Zwickau. Umso größer war sein Wunsch, noch einmal Bergwerksluft zu schnuppern. Dank der barrierefreien Zugänglichkeit des Besucherbergwerks Alaunbergwerk „Ewiges Leben" in Plauen konnte dieser Wunsch Wirklichkeit werden. Als der Wünschewagen am Pflegeheim in Kirchberg vorfuhr, waren Aufregung und Anspannung deutlich zu spüren – bei Gerhard und seiner Ehefrau ebenso wie beim gesamten Pflegeteam und den Wunscherfüllern Maria und Ralf. In kurzen Gesprächen mit den Mitarbeitenden wurde schnell deutlich, wie sehr dieses soziale Projekt geschätzt wird.

Am Bergwerk angekommen, wartete der ehrenamtliche Museumsführer Uwe Röder bereits auf die kleine Reisegesellschaft. Herzlich begrüßte er die Gäste und wies dem Wünschewagen den Weg zu einer geeigneten Parkfläche. Was mit dieser warmen Willkommensgeste begann, entwickelte sich zu einer eindrucksvollen Reise in die Welt des Bergbaus. Gerhard nahm die vielen Informationen, Geschichten und Eindrücke förmlich in sich auf. Für ihn war die Führung weit mehr als ein Museumsbesuch – sie führte ihn zurück zu einem Stück seiner eigenen Lebensgeschichte.

Ein besonderer Gänsehautmoment entstand, als gemeinsam das Steigerlied angestimmt wurde. Für einen Augenblick war die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart unmittelbar spürbar. Auch viele bekannte Redewendungen haben ihre Wurzeln im Bergbau. Das „Glück auf" kennt fast jeder. Doch auch das „Dreimal auf Holz klopfen" geht auf die Arbeit unter Tage zurück: Bergleute prüften durch Klopfen die hölzernen Stützsäulen und -balken auf ihre Sicherheit. Je nach Klang ließ sich erkennen, ob das Holz noch stabil oder bereits morsch war und ausgewechselt werden musste. Mit Fachwissen, spannenden Anekdoten und großer Leidenschaft führte Uwe Röder durch das Museum. Viel zu schnell verging die Zeit, und mit einem herzlichen Dankeschön verabschiedete sich die Reisegesellschaft.

Die vielen Eindrücke hatten Gerhard viel Kraft gekostet. Deshalb machte sich der Wünschewagen bald wieder auf den Rückweg nach Kirchberg. Dort wurden die Rückkehrer vom Pflegeteam mit großer Herzlichkeit und Empathie empfangen. Beim Abschied flossen einige Tränen. Gerhard ließ sich erschöpft in sein Bett sinken – doch die Freude über diesen besonderen Tag war ihm deutlich anzusehen.

Für die Wunscherfüller Maria und Ralf war es ein Tag voller Begegnungen, Erinnerungen und berührender Momente. Es waren sinnstiftende Stunden – und eine Erinnerung, die bleiben wird.

Einem schwerkranken Menschen in seiner letzten Lebensphase Zeit zu schenken und besondere Glücksmomente zu ermöglichen, ist ein unschätzbar wertvolles Geschenk. Wie ein Wunscherfüller es einmal auf den Punkt brachte: Die Zeit auf dem Wünschewagen sei keine „geopferte Zeit", sondern eine Zeit der eigenen Bereicherung. Denn manchmal verändert eine Wunschfahrt nicht nur den Tag eines schwerkranken Menschen – sie verändert auch den Blick auf das, was im Leben wirklich zählt: füreinander da zu sein, Menschen nicht zu übersehen und wertvolle gemeinsame Zeit zu schenken.